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Elena Grabocka: Der Mut, höher zu springen

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8 Min.

Ein Weg, der mit Bildung begann

Meine Geschichte beginnt in einem Umfeld, in dem Bildung einen sehr hohen Stellenwert hatte. Beide Eltern wünschten sich, dass ich in den medizinischen Bereich gehe. Für mich bedeutete das lange: lernen, vorbereiten, Leistung bringen und mich auf den nächsten akademischen Schritt konzentrieren.

Mit neunzehn oder zwanzig begann ich mein Medizinstudium. Zu dieser Zeit war mein Alltag klar strukturiert. Schule, Studium und Prüfungen standen im Mittelpunkt. Ich war ein Mensch, der viel lernte, viel Zeit investierte und sich an dem orientierte, was wie ein sicherer Weg aussah.

Rückblickend war diese Phase mehr als nur ein akademischer Abschnitt. Sie hat mir Disziplin gegeben. Sie hat mir gezeigt, wie lange man an einem Ziel bleiben kann. Und sie hat eine Grundlage geschaffen, auf der später ein ganz anderer Weg entstehen konnte.

Die erste Chance ausserhalb des gewohnten Rahmens

Mit einundzwanzig bekam ich mein erstes Praktikum. Es kam auf eine Art zustande, die fast zu einfach klingt. Ich war auf YouTube, sah eine Möglichkeit, bewarb mich und schrieb der Person, die das Praktikum anbot, direkt eine Nachricht. Aus dieser einen Entscheidung wurde meine erste echte internationale Erfahrung.

Diese Firma gab mir die Chance, in einem Umfeld zu arbeiten, das grösser war als das, was ich bis dahin kannte. Plötzlich traf ich Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Denkweisen und anderen Erwartungen. In den ersten Monaten lernte ich weniger über Strategien und mehr über Kommunikation. Was in einer Kultur normal wirkt, kann in einer anderen falsch verstanden werden. Diese Erfahrung hat mich früh geprägt.

Manchmal beginnt ein neuer Weg mit einer Chance, die von aussen klein wirkt und innerlich alles verschiebt.

Nach diesem Einstieg folgten weitere Schritte. Ich wechselte von einer Firma zur nächsten, sammelte Erfahrung und übernahm mit zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig eine Rolle als Marketing Managerin bei einer Agentur in Kanada. Danach kam Sales dazu. Gerade der Sales-Bereich hat mir sehr viel beigebracht. Über Selbstvertrauen, über Menschen, über Gespräche und darüber, wie wichtig es ist, klar zu kommunizieren.

Warum die eigentlichen Herausforderungen später kommen

Viele sprechen über die Herausforderungen am Anfang. Für mich fühlte sich der Anfang jedoch eher wie ein Aufbruch an. Alles war neu. Ich lernte, verdiente mein erstes eigenes Geld und kam mit Menschen in Kontakt, die mir vorher weit entfernt erschienen. Die ersten Schritte hatten viel Energie.

Die wirklichen Herausforderungen kamen später. Dann, wenn aus einem Einstieg Verantwortung wird. Wenn es um Conversion Rates geht, um Partnerschaften, um Kundenentscheidungen, um Teamstrukturen und um die Frage, was für den Kunden wirklich sinnvoll ist. Am Anfang probiert man aus. Später muss man tragen.

Es gab viele Momente, in denen ich ans Aufgeben dachte. Manchmal sogar täglich. Auch heute kann dieser Gedanke auftauchen. Was mich trotzdem weitergehen lässt, ist die Einsicht, dass fast jeder Unternehmer in irgendeiner Form mit denselben Spannungen lebt. Die meisten Menschen sind irgendwo zwischen ihrem aktuellen Stand und dem Ort, an dem sie eigentlich sein möchten.

Verantwortung verändert die Art zu arbeiten

Ein Unternehmen besteht irgendwann aus mehr als der eigenen Leistung. Bei GOES Consulting arbeiten Menschen mit, die an die Vision glauben und sich auf die Richtung verlassen. Dadurch verändert sich die eigene Perspektive. Es geht um Kunden, um Ergebnisse und auch um das Team, das diese Ergebnisse möglich macht.

Wenn andere Menschen von deiner Klarheit, deinen Entscheidungen und deiner Energie abhängen, wird Arbeit persönlicher. Gleichzeitig braucht es Struktur. Eine meiner engsten Personen im Arbeitsumfeld ist auch meine Sales Managerin. Sie hält mich bewusst verantwortlich. Sie kann mir Aufgaben geben, mich anrufen und sagen, was noch offen ist. Diese Art von Accountability hilft mir, auch dann weiterzumachen, wenn der Tag unübersichtlich wird.

Wenn man Verantwortung trägt, reicht Motivation allein nicht mehr aus. Man braucht Menschen, die einen ehrlich halten.

Dankbarkeit als Korrektiv

Eine der wichtigsten Lektionen meines bisherigen Weges ist Dankbarkeit. Ich erinnere mich an eine Begegnung in Dubai. Ein junger Mann, zweiundzwanzig Jahre alt, arbeitete im Verkauf und erzählte mir, dass sein Ziel sei, in zwei Jahren zweitausend Dollar zu sparen. In diesem Moment wurde mir klar, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können.

Viele von uns haben Zugang zu Chancen, die andere Menschen kaum erreichen können. Selbst scheitern zu dürfen ist ein Privileg, weil es bedeutet, dass man überhaupt eine Gelegenheit hatte. Diese Erkenntnis begleitet mich. Sie relativiert Druck, ohne ihn wegzureden. Sie erinnert mich daran, dass Wachstum auch Verantwortung bedeutet.

Dankbarkeit bedeutet für mich daher keine passive Haltung. Sie ist eher ein Korrektiv. Sie hilft mir, klarer zu sehen, was bereits möglich ist, und gleichzeitig ernsthaft an dem zu arbeiten, was noch entstehen soll.

Kultur, Klarheit und der richtige Kunde

Durch die Arbeit mit unterschiedlichen Märkten habe ich gelernt, wie stark Kultur die Arbeitsweise prägt. In Kanada und den USA liegt viel Aufmerksamkeit auf Unternehmenskultur, Rollen, Rechten, Work-Life-Balance und internen Strukturen. In anderen Märkten ist der Fokus stärker auf die Arbeit selbst gerichtet. Dort zählt oft vor allem, ob das Ergebnis geliefert wird.

Diese Unterschiede haben mir geholfen, Menschen besser zu verstehen. Gleichzeitig wurde mir klar, wie wichtig es ist, objektiv zu bleiben. Manche Menschen verwechseln Objektivität mit Arroganz. Für mich ist Klarheit ein Dienst am Gegenüber. Wenn etwas direkt ausgesprochen werden muss, dann geschieht das, damit bessere Entscheidungen möglich werden.

In den letzten Monaten habe ich besonders gelernt, Kunden bewusster auszuwählen. Nicht jeder Kunde passt zu jeder Firma. Ein guter Kunde versteht, dass ein Unternehmen viele Ebenen gleichzeitig trägt. Verträge, Team, Anwälte, verschiedene Zeitzonen, unterschiedliche Erwartungen und laufende Projekte. Der richtige Kunde erkennt diese Komplexität und arbeitet mit ihr.

Erfolg, Potenzial und der Blick nach vorne

Erfolg ist für mich schwer in einen einzigen Satz zu fassen. Es gibt ein Bild, das mir gefällt: Im Leben gibt es zwei Versionen von dir, auf die du stolz sein möchtest. Die siebenjährige Version und die ältere Version, vielleicht mit siebzig oder achtzig Jahren. Diese beiden Perspektiven begleiten mich.

Eine meiner grössten Ängste ist, mein eigenes Potenzial nicht vollständig auszuschöpfen. Viele Menschen sprechen von Freiheit, Verantwortung oder Familie. Das alles spielt eine Rolle. Doch am Ende muss man auch selbst funktionieren. Wenn man innerlich nicht stabil ist, leidet das Unternehmen, das Team und auch das private Umfeld.

Der erste Mensch, auf den man stolz sein muss, ist man selbst. Von dort aus kann alles andere stabiler wachsen.

Auch Networking sehe ich heute nüchterner als früher. Social Media glorifiziert Netzwerke oft. Natürlich ist es wertvoll, andere Unternehmerinnen und Unternehmer zu treffen. Doch echte Beziehungen entstehen für mich eher, wenn man Menschen ohne unmittelbare Absicht begegnet. Man sollte mit Unternehmern wie mit Freunden sprechen, nicht wie mit reinen Geschäftskontakten.

GOES Consulting und der nächste Schritt

Mit GOES Consulting arbeiten wir an den Schnittstellen von Bildung, Karriere, Employment, Relocation und internationaler Orientierung. Unsere Arbeit ist global ausgerichtet. Wir beschäftigen uns mit Menschen, die ihren nächsten beruflichen oder akademischen Schritt strukturierter angehen wollen, und mit Märkten, die sehr unterschiedliche Erwartungen an Bewerber und Fachkräfte stellen.

Ein wichtiger nächster Schritt ist die Weiterentwicklung des Unternehmens: B2B im Wachstum, B2C im Impact. Das bedeutet, dass wir auf der Unternehmensseite skalierbarer werden und gleichzeitig den direkten Einfluss auf einzelne Menschen nicht verlieren wollen. Besonders freue ich mich auf das Canada Career Program. Dort wollen wir eine klare Position für Menschen aufbauen, die ihre Karriere in Kanada gezielt voranbringen möchten.

Langfristige Ziele setze ich heute lieber in erreichbaren Etappen. Ich denke in Quartalen, in Jahren und in klaren Schritten. Das Ziel darf gross sein. Der nächste Schritt muss greifbar bleiben.

Höher springen

Wenn ich jemandem einen Rat geben müsste, der heute in diese Branche einsteigen möchte, wäre er sehr klar: Aim low ist keine Option. Man muss die eigene Situation kennen, realistisch einschätzen, was vorhanden ist, und dann bewusst höher zielen.

Karrieren werden oft als Leiter beschrieben. Für mich ist dieses Bild zu langsam. Manchmal muss man springen. Wie ein Grasshopper. Von einem Punkt zum nächsten. Mit Risiko, mit Unsicherheit und mit der Bereitschaft, schneller zu lernen, als es bequem wäre.

Don’t aim low. Be a grasshopper. Jump.

Ich mag das Unbekannte. Es macht mir keine Angst im klassischen Sinn. Es gibt mir Energie. Wenn eine Option sicher wirkt und die andere offen ist, zieht mich oft die offene Option an. Vielleicht liegt genau dort der Punkt, der mich antreibt: das Gefühl, dass noch nicht klar ist, wie weit es gehen kann.

Am Ende bleibt für mich dieser Gedanke: Wie weit wir kommen können, zeigt sich erst, wenn wir aufhören, unser eigenes Potenzial zu klein zu denken.

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Elena Grabocka
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