Riccy Rodrigues: Ich will meine Seele singen

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Mit fünfzehn in einem neuen Land

Als ich mit fünfzehn Jahren aus Portugal in die Schweiz kam, hatte ich keine klare Vorstellung davon, wie mein Leben hier einmal aussehen würde. Die Sprache war neu, die Schule funktionierte anders und selbst die kleinen Dinge im Alltag musste ich zuerst verstehen. In Portugal war ich von meiner Familie, unserer Kultur und einer Umgebung umgeben gewesen, die mir vertraut war. In der Schweiz begann vieles wieder bei null, und gerade in diesem Alter fühlt sich ein solcher Wechsel ziemlich heftig an, weil man ohnehin erst herausfindet, wer man ist und wo man seinen Platz finden könnte.

Mein Name ist Ricardo Rodrigues, doch die meisten Menschen kennen mich als Riccy. So nennen mich meine Familie und meine Freunde schon seit meiner Kindheit, weshalb sich der Name irgendwann ganz selbstverständlich auch mit meiner Musik verbunden hat. Er erinnert mich an die Menschen, bei denen ich mich sicher fühle, und genau dieses Gefühl spielt in meiner Geschichte eine grosse Rolle. Musik war für mich früh ein Ort, an dem ich mich ausdrücken konnte, selbst wenn ich für vieles andere noch keine passenden Worte hatte.

Auf der Seite meiner Mutter waren viele Menschen musikalisch. Besonders meine Cousine inspirierte mich, weil sie in einer Band sang und mit ihr durch Portugal reiste. Während unserer Sommerferien wollte ich ihre Konzerte unbedingt sehen, und dort bekam ich zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was Musik ausserhalb des eigenen Zuhauses auslösen kann. Da standen Menschen zusammen, hörten zu, sangen mit und liessen sich für einen Abend in eine andere Stimmung tragen. Diese Erlebnisse blieben bei mir, auch wenn mein erster Wunsch damals eigentlich das Tanzen war.

Tanzen faszinierte mich schon als Kind, weil Bewegung und Performance für mich immer zur Musik gehörten. Meine Eltern arbeiteten viel und mussten genau darauf achten, wofür das Geld reichte, daher waren regelmässige Tanzstunden oder eine entsprechende Ausbildung kaum möglich. Das Singen gab mir einen Zugang, den ich überall nutzen konnte. Ich brauchte dafür zuerst weder ein Studio noch teures Material, und aus dieser Möglichkeit entwickelte sich langsam etwas, das immer mehr Raum in meinem Leben einnahm.

In der Schule bekam meine Stimme zum ersten Mal Raum

Die normalen Schulfächer lagen mir unterschiedlich gut. Bei Deutsch oder Mathematik musste ich mich oft stärker durchkämpfen, während ich bei Musik sofort aufmerksam war und mich gerne einbrachte. Meine Lehrpersonen merkten, dass ich beim Singen aufblühte, vor einer Gruppe Verantwortung übernehmen konnte und keine Angst davor hatte, mich vor die Klasse zu stellen. Wenn jemand ein Lied anführen oder etwas vorsingen sollte, fiel mein Name deshalb ziemlich schnell.

Später gab es die Möglichkeit, zwischen einer normalen Klasse, einer Sportklasse und einer Musikklasse zu wählen. Für mich war diese Entscheidung klar, denn in der Musikklasse konnte ich etwas zeigen, das im übrigen Schulalltag leicht unterging. Mit jeder Aufgabe wurde ich sicherer, und durch das Vertrauen meiner Lehrpersonen begann ich selbst ernster zu nehmen, was sie in mir sahen. Eine Lehrerin sagte mir einmal, dass meine Zukunft nicht davon abhänge, in jedem Fach gleich stark zu sein. Sie riet mir, bei dem zu bleiben, was ich liebe, mein Potenzial zu nutzen und darauf zu vertrauen, dass daraus ein Weg entstehen kann.

Dieser Satz begleitete mich durch die schwierigeren Phasen der Schulzeit. Wenn ich an mir zweifelte oder das Gefühl hatte, in gewissen Bereichen nicht mitzuhalten, gab es immer noch die Musik. Dort konnte ich atmen, mich sammeln und wieder spüren, dass ich etwas kann. Das klingt vielleicht gross, doch damals war es ganz praktisch: Ich ging in den Musikunterricht, sang und fühlte mich danach wieder näher bei mir selbst.

Musik war für mich lange der Ort, an dem ich mich wiedergefunden habe, wenn im restlichen Leben vieles gleichzeitig auf mich zukam.

YouTube, Covers und der Wunsch nach eigenen Songs

Wie viele meiner Generation lernte ich sehr viel über YouTube. Ich schaute mir Sängerinnen und Sänger an, hörte genau hin, beobachtete ihre Auftritte und versuchte zu verstehen, was mich an einer Stimme oder einer Performance berührt. Eigene Songs hatte ich damals noch keine, also begann ich mit Covers und stellte sie auf Instagram. Es gab keinen grossen Plan dahinter. Ich nahm etwas auf, teilte es und freute mich über jede Person, die zuhörte oder mir schrieb.

Diese ersten Beiträge halfen mir, eine kleine Community aufzubauen und mich an die Kamera zu gewöhnen. Damals fühlte sich Social Media lockerer an. Ein Video durfte spontan sein, und ich überlegte weniger, ob der Ausschnitt in einen bestimmten Trend passt oder ob die ersten Sekunden genügend Aufmerksamkeit erzeugen. Dadurch konnte ich ausprobieren, welche Songs zu mir passen, wie ich vor der Kamera wirke und welche Seiten meiner Stimme bei den Menschen ankommen.

Irgendwann reichte es mir nicht mehr, die Geschichten anderer Künstler zu singen. Ich wollte eigene Themen aufnehmen und Musik veröffentlichen, die enger mit meinem Leben verbunden ist. Genau an diesem Punkt wurde alles komplizierter, weil ein eigener Song viele Menschen, Entscheidungen und Kosten mit sich bringt. Man braucht eine Produktion, eventuell Unterstützung beim Songwriting, Studiozeit, Bilder, ein Video und danach eine Veröffentlichung, die überhaupt jemanden erreicht. In der Schweiz summiert sich das schnell, besonders wenn man nebenbei arbeitet und jeden Schritt selbst finanziert.

Ich machte mir schon vor dem ersten fertigen Song Gedanken über Splits, Rechte, Produzenten, Budgets und die spätere Vermarktung. Teilweise war ich im Kopf bereits bei Fragen, die erst Monate später relevant geworden wären. So vergingen drei oder vier Jahre, in denen ich immer wieder über eigene Musik sprach und mich zugleich selbst ausbremste. Als ich schliesslich ins Tun kam, merkte ich, dass man vieles unterwegs klären kann. Die Aufgaben verschwanden dadurch natürlich nicht, doch sie wurden überschaubar, sobald eine konkrete Produktion vor mir lag und ich Schritt für Schritt entscheiden konnte, was als Nächstes nötig ist.

Mit «Nothing Left To Save» und «Imperfect» erschienen später meine ersten eigenen Singles. Allein diese Veröffentlichungen veränderten mein Verhältnis zur Musik, weil aus den vielen Überlegungen plötzlich etwas Hörbares wurde. Ich konnte den Link verschicken, Reaktionen erhalten und sagen: Das ist jetzt mein Song. Seitdem weiss ich, dass ich lieber mit einer offenen Frage losgehe und sie während des Prozesses löse, als noch einmal mehrere Jahre auf einen Moment zu warten, in dem sich alles vollkommen sicher anfühlt.

Fernsehen brachte Sichtbarkeit und eine neue Realität

Der Wunsch, einmal im Fernsehen zu singen, war schon lange da. Mit siebzehn sammelte ich meine erste Erfahrung in diesem Umfeld, später bewarb ich mich für Formate in Portugal, der Schweiz und Deutschland. Am Ende entschied ich mich für Deutschland und kam 2020 bei «Deutschland sucht den Superstar» bis in die Liveshows. Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung, den auch meine Mutter immer mitgetragen hatte.

Die Wochen rund um die Sendung waren intensiv. Innerhalb kurzer Zeit stand ich auf grossen Bühnen, arbeitete mit Kamerateams und wurde von Menschen erkannt, die mich vorher noch nie gesehen hatten. Diese Aufmerksamkeit kann einem Künstler viel geben, weil plötzlich Gespräche, Auftritte und Kontakte möglich werden, für die man allein sehr lange arbeiten müsste. Ich lernte dort viel über Performance, Medien und den Umgang mit Druck, und ich würde diese Erfahrung aus meinem Weg nie herausnehmen.

Nach einer solchen Show merken sich viele Menschen zuerst den Kandidaten aus dem Fernsehen. Der eigene Name, die eigenen Songs und die Persönlichkeit dahinter müssen danach weiter wachsen, damit aus diesem Fernsehbild eine eigene künstlerische Identität wird. Das braucht Zeit, weil die Sendung bereits eine Geschichte über dich erzählt hat und das Publikum dich innerhalb dieses Rahmens kennengelernt hat. Ich wollte die Erfahrung mitnehmen und von dort aus weitergehen, damit Riccy irgendwann für meine Musik steht und nicht dauerhaft für eine einzelne Staffel.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eine Fernsehsendung Unterhaltung produziert. Die Stimme spielt eine Rolle, ebenso zählen Geschichten, Dynamik und Einschaltquoten. Sobald man das versteht, kann man bewusster entscheiden, was man mitmacht und wie weit man sich auf eine Situation einlässt. Für mich wurde wichtig, mich in diesem Umfeld so zu zeigen, dass ich mich später noch darin wiedererkenne, denn ein kurzer Moment vor der Kamera bleibt oft viel länger sichtbar, als man während der Aufzeichnung denkt.

Direkt nach dieser Phase kam Corona. Es hatte sich einiges angebahnt, es gab Ideen für Auftritte und sogar Gespräche über Möglichkeiten in Amerika, dann wurde das öffentliche Leben innerhalb kürzester Zeit heruntergefahren. Die Energie aus der Show traf auf abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Bühnen und eine Zeit, in der fast alles über das Internet stattfinden sollte. Für mich war das ein harter Bruch, weil ich bereit war weiterzumachen und plötzlich kaum noch wusste, wohin mit dieser Motivation.

Der Druck hinter der Sichtbarkeit

Während der Coronazeit verlagerte sich die Musik stark auf Social Media. Livestreams, Videos und regelmässige Beiträge wurden für viele Künstler zur einzigen Möglichkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. Anfangs machte ich mit, doch irgendwann fühlte sich diese permanente Sichtbarkeit anstrengend an. Ich wollte singen, Songs entwickeln und auftreten, während der Alltag immer stärker verlangte, dass auch jede Zwischenphase dokumentiert und veröffentlicht wird.

Heute schaut die Industrie sehr genau auf Reichweite, Aktivität und Zahlen. Ein Künstler soll eine klare visuelle Welt haben, Trends verstehen, ständig neue Inhalte liefern und seine Community bei jeder Veröffentlichung mobilisieren. Hinter grossen Acts stehen Teams, die Ideen entwickeln, drehen, schneiden, planen und Kampagnen aufbauen. Wenn man allein arbeitet, landet all das bei derselben Person, die parallel noch Songs schreiben, Auftritte vorbereiten, Kontakte pflegen und den eigenen Lebensunterhalt sichern muss.

Ich arbeite momentan wieder in einer Kita und mache die Musik daneben weiter. Mein Tag besteht daher aus mehr als Studio, Kamera und Bühne. Nach der Arbeit brauche ich Zeit, um Ideen zu sammeln, Termine zu organisieren und überhaupt herauszufinden, welche Inhalte sich für mich richtig anfühlen. Vor der Kamera zu stehen macht mir Freude, doch die ganze Vorbereitung dahinter kostet Energie. Mit einem guten Team könnte ich mich stärker auf das konzentrieren, was ich am besten kann, und Social Media würde sich vermutlich wieder leichter anfühlen.

Die Zahlen können einen schnell verunsichern. Man sieht Views, Likes und Follower direkt, vergleicht sich mit anderen und fragt sich nach einem schwächeren Beitrag sofort, ob das eigene Material noch gut genug ist. Dabei zeigen diese Werte vor allem, wie ein Inhalt in einem bestimmten Moment ausgespielt wurde. Sie können Reichweite sichtbar machen, erfassen jedoch nur einen Teil der künstlerischen Entwicklung. Ich muss mich daran selbst immer wieder erinnern, damit ein einzelner Post nicht darüber entscheidet, wie ich meine Stimme, meine Songs oder meinen gesamten Weg bewerte.

Was ich über die Musikindustrie gelernt habe

In der Musikbranche begegnet man sehr unterschiedlichen Menschen. Einige interessieren sich ehrlich für die Person, hören zu und fragen, welche Unterstützung gerade gebraucht wird. Andere schauen zuerst auf Zahlen, Tempo und die Frage, ob sich jemand schnell vermarkten lässt. Talent bleibt wichtig, doch es arbeitet nie allein. Marketing, Budget, Beziehungen, Timing und ein funktionierendes Team beeinflussen stark, welcher Song Aufmerksamkeit erhält und wer überhaupt die Gelegenheit bekommt, sich weiterzuentwickeln.

Ich habe bereits mit verschiedenen Managern und Veranstaltern gearbeitet und dabei gute wie schwierige Erfahrungen gemacht. Ein Manager sagte mir nach ungefähr einem Jahr, dass es für ihn so nicht aufgehe, wodurch ich viele Aufgaben wieder selbst übernehmen musste. Bei anderen Engagements wurde von mir erwartet, dass ich zusätzlich zur Performance einen grossen Teil der Werbung trage, obwohl diese Verantwortung im Vertrag anders verteilt war. Solche Situationen zeigen einem schnell, wie wichtig klare Absprachen und ein respektvoller Umgang sind.

Früher nahm ich vieles davon sehr persönlich und liess mich durch eine schlechte Erfahrung lange bremsen. Inzwischen kann ich besser unterscheiden, ob eine Zusammenarbeit gerade nicht passt oder ob ich grundsätzlich am falschen Ort bin. Eine einzelne Person entscheidet nicht über den ganzen Weg. Ich kann eine Saison beenden, aus einer Zusammenarbeit lernen und danach nach Menschen suchen, die verbindlicher arbeiten und meine Entwicklung wirklich mittragen.

Auch künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge können dabei helfen, Ideen zu sortieren, Abläufe zu planen oder die organisatorische Seite verständlicher zu machen. Für mich sollte der Ausgangspunkt trotzdem bei der eigenen Idee liegen. Wenn ich zuerst weiss, welches Gefühl, welche Geschichte oder welche Richtung ich ausdrücken möchte, kann ein Tool daraus eine bessere Struktur machen. Die Musik selbst braucht weiterhin meine Erfahrung, meine Stimme und die Dinge, die mich wirklich beschäftigen.

Am meisten geholfen hat mir die Gewohnheit, öfter zu fragen und eine mögliche Absage auszuhalten. Ein Nein ist klar, und danach kann man weitergehen. Wenn man eine Nachricht nie abschickt, bleibt die Möglichkeit im eigenen Kopf und wird dort meistens grösser, komplizierter und beängstigender. Diese Lektion betrifft Auftritte, Songwriting Camps, Managements und fast jede andere Chance in der Musik.

Welche Musik ich machen möchte

Ich bin ein emotionaler Mensch und nehme viel von meiner Umgebung auf. Gespräche, eigene Erlebnisse und Geschichten von Freunden können später in einem Song wieder auftauchen, weil mich interessiert, was Menschen innerlich bewegt und worüber sie im Alltag selten offen sprechen. Musik gibt mir die Möglichkeit, solche Gefühle in eine Form zu bringen, die jemand hören kann, ohne vorher die ganze Geschichte kennen zu müssen.

Meine Songs dürfen ernste Themen tragen, genauso gehören Freude, Energie und Bewegung zu mir. Ich möchte Balladen singen und ebenso Uptempo-Musik machen, bei der eine Performance den ganzen Raum verändert. Pop ist ein Teil davon, dazu kommen Einflüsse aus Afro, Soul und R&B. Der Wunsch zu tanzen ist ebenfalls geblieben, weshalb ich Stimme und Bewegung langfristig stärker zusammenbringen möchte. Auf einer Bühne entsteht für mich dann das vollständige Bild: die Musik, der Körper, das Publikum und dieser direkte Moment, in dem alle im selben Raum etwas gemeinsam erleben.

Riccy und Ricardo liegen dabei sehr nah beieinander. Ich kann offen, laut und sehr lebendig sein, und ich brauche genauso Phasen, in denen ich mich zurückziehe und vieles mit mir selbst ausmache. Diese verschiedenen Seiten passen in meine Musik, weil kein Mensch jeden Tag gleich fühlt oder auftritt. Je besser ich mich selbst kennenlerne, desto einfacher wird es, Songs auszuwählen und mit Menschen zu arbeiten, bei denen ich mich nicht in eine fremde Rolle drücken muss.

Ich möchte meine Seele singen und Musik machen, in der Menschen etwas von sich selbst wiederfinden können.

Erfolg bedeutet für mich deshalb mehr als Bekanntheit. Natürlich wünsche ich mir grössere Bühnen, mehr Reichweite und die Möglichkeit, langfristig von meiner Musik zu leben. Genauso wichtig sind Gesundheit, gute Menschen um mich herum und das Gefühl, dass meine Arbeit jemandem einen schönen Moment gibt oder durch eine schwere Zeit hilft. Wenn ein Mensch nach einem Auftritt nach Hause geht und etwas mitnimmt, hat die Musik bereits etwas erreicht.

Zusammenarbeit gehört für mich ebenfalls dazu. Ich bin gerne Teil eines Teams, tausche mich aus und sehe, wie eine Idee durch mehrere Perspektiven wächst. Gerade in der Schweiz wünsche ich mir mehr Künstler, die einander ehrlich unterstützen, Kontakte teilen und sich über Fortschritte freuen können, ohne jede Hilfe sofort in eine Gegenleistung umzurechnen. Eine faire Zusammenarbeit darf professionell und wirtschaftlich sein, und sie kann dabei menschlich bleiben.

EP, Open-Air-Bühnen und Eurovision

Für die nächste Phase suche ich gezielt nach Menschen aus der Musik, mit denen die persönliche und kreative Verbindung stimmt. Ich möchte mit Produzenten und Songwritern arbeiten, die meine Ideen verstehen, eigene Impulse einbringen und einen Raum schaffen, in dem man offen ausprobieren kann. Aus solchen Begegnungen entstehen oft Songs, auf die man allein nie gekommen wäre, und genau deshalb interessieren mich Songwriting Camps immer stärker.

Bald nehme ich an einem Camp mit Eurovision-Bezug teil. Vor einiger Zeit hätte ich mich wahrscheinlich lange gefragt, ob das Team zu mir passt, ob ich genügend vorbereitet bin und was passiert, falls am Ende kein guter Song entsteht. Inzwischen sehe ich den Wert bereits im Prozess, weil ich neue Leute kennenlerne, unter Zeitdruck arbeite und erfahre, wie andere schreiben und produzieren. Diese Schritte bringen mich näher an einen Traum, den ich offen ausspreche: Ich möchte eines Tages beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stehen.

Daneben arbeite ich auf eine EP hin und möchte häufiger live auftreten, besonders an Open Airs. Für eine EP müssen die Songs zusammenpassen, die Veröffentlichung braucht einen sinnvollen Ablauf und das Ganze soll sich auch visuell wie ein Projekt anfühlen. Ich will mir dafür genügend Gedanken machen und gleichzeitig aufpassen, dass die Planung wieder jahrelang vor der Musik steht. Am Ende müssen die Songs hinaus, damit sie ihr eigenes Leben beginnen können.

Mein Weg verlief bisher selten gerade. Portugal, die Schweiz, die Schule, Covers, Fernsehen, Corona, eigene Songs und die vielen Erfahrungen in der Industrie haben mich immer wieder in eine neue Situation gebracht. Manche davon waren schön, andere haben mich müde gemacht oder an mir zweifeln lassen. Ich bin weiterhin hier, arbeite, schreibe, treffe neue Menschen und gehe zum nächsten Termin, weil die Musik ein Teil meines Lebens geblieben ist und ich noch sehr viel damit vorhabe.

Wenn ich auf die vergangenen Jahre schaue, sehe ich inzwischen klarer, was bereits entstanden ist. Es gab die ersten Menschen, die meine Covers verfolgten, die grosse Fernsehbühne, eigene Veröffentlichungen und Kontakte, die mir neue Wege gezeigt haben. Der nächste Schritt ist dadurch nicht automatisch leicht, doch er beginnt auf einer Grundlage, die ich selbst aufgebaut habe. Genau darauf möchte ich weiterarbeiten: mit mehr Ruhe im Kopf, einem stärkeren Team und Songs, die wirklich nach mir klingen.

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