Business Growth

Zwischen Handwerk, Immobilien und Software: Der Aufbau von immosync.ch

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Wie man meinen könnte, beginnt meine Geschichte nicht mit einer App, einem Pitchdeck oder einer klassischen Gründeridee. Sie beginnt im Handwerk, in einer Lehre als Zimmermann und später über Umwege im Immobilienverkauf. Dort bin ich Schritt für Schritt näher an eine Branche herangekommen, die viele Menschen betrifft, aber im Alltag oft komplizierter funktioniert, als sie müsste.

Heute arbeite ich mit meinem Geschäftspartner an Imosync. Die Idee dahinter ist einfach erklärt: Immobilienverwaltung soll günstiger, übersichtlicher und benutzerfreundlicher werden. Für Mieter wie für Vermieter. Alles, was heute oft über verschiedene Kanäle, Personen und Listen läuft, soll auf einer zentralen Plattform zusammenkommen und über das Handy steuerbar sein.

Ich will herausfinden, wo meine Grenzen liegen und was von mir möglich ist.

Dieser Gedanke hat in den letzten Jahren viel verändert. Es ging mir nie nur darum, eine Software zu bauen. Es ging darum, zu verstehen, was passiert, wenn man eine Idee ernst nimmt und bereit ist, die Konsequenzen davon zu tragen.

Vom Handwerk zur Immobilienwelt

Der Weg vom Zimmermann in Richtung Immobilien und Software wirkt auf den ersten Blick wie ein Bruch. Für mich fühlt er sich eher wie eine Entwicklung an. Ich komme aus einer praktischen Welt. Man sieht ein Problem, man arbeitet daran und am Ende soll etwas entstehen, das funktioniert. Diese Haltung begleitet mich bis heute.

Im Immobilienverkauf habe ich gemerkt, wie viele Abläufe noch immer sehr analog, verteilt oder unnötig schwerfällig sind. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten der Menschen. Eine jüngere Generation wächst mit digitalen Lösungen auf, besitzt Immobilien, verwaltet Renditeliegenschaften oder übernimmt Verantwortung innerhalb der Familie. Genau dort entsteht ein Bedarf.

Die Inspiration kam also nicht aus einem einzelnen Moment. Sie entstand aus vielen Beobachtungen. Aus Gesprächen, aus dem Markt, aus Social Media, aus dem Wunsch, mehr aus mir herauszuholen. Irgendwann wurde aus dieser Mischung eine klare Frage: Weshalb sollte Immobilienverwaltung nicht einfacher, direkter und digitaler funktionieren.

Eine Schnittstelle zwischen Mietern und Vermietern

Mit Imosync wollen wir die Verbindung zwischen Mietern und Vermietern zentralisieren. Terminanfragen, Zuständigkeiten, Unterhalt, Leerstände, Aufgaben und Kommunikation sollen nicht mehr an verschiedenen Orten verstreut sein. Die Verwaltung soll dort stattfinden, wo Menschen ohnehin jeden Tag sind: auf dem Smartphone. Gerade bei mehreren Eigentümern oder bei gemeinsam verwalteten Renditeliegenschaften kann eine zentrale Plattform viel Klarheit schaffen. Jeder sieht, was passiert. Aufgaben können verteilt werden. Entscheidungen werden nachvollziehbarer. Dadurch entsteht weniger Reibung im Alltag.

Für mich liegt der Wert einer solchen Lösung nicht nur in der Digitalisierung an sich. Der eigentliche Wert liegt in der Entlastung. Viele Menschen arbeiten heute mehr, haben weniger Zeit und wollen ihre Immobilien trotzdem sauber im Griff behalten. Eine gute Software soll ihnen nicht die Verantwortung wegnehmen. Sie soll ihnen helfen, Verantwortung besser wahrzunehmen.

Die erste Phase ist selten romantisch

Am Anfang einer Gründung ist vieles weniger glamourös, als es von aussen manchmal aussieht. Ich arbeite weiterhin zu hundert Prozent. Nach einem langen Arbeitstag kommt dann der zweite Teil des Tages. Kopf auslüften, nochmals hinsetzen, nochmals lernen, nochmals entscheiden. SEO, Digital Marketing, Software-as-a-Service, Pricing, Nutzerführung, Farben, Logo, Positionierung. Plötzlich hängt alles miteinander zusammen.

Mein Geschäftspartner kommt aus dem IT-Bereich und bringt die Programmierkenntnisse mit. Das ist ein grosser Vorteil. Dadurch kann ich mich stärker auf das Unternehmen selbst konzentrieren: auf Marktfeedback, Gespräche, Vermarktung, Positionierung und darauf, wie wir aus einer technischen Lösung ein Produkt machen, das Menschen wirklich verwenden möchten.

Wenn du nach einem langen Tag nochmals vor den PC sitzt, merkst du sehr schnell, ob eine Idee nur spannend klingt oder ob sie wirklich trägt.

Natürlich gibt es Momente, in denen man sich fragt, ob der Weg richtig ist. Diese Gedanken kommen besonders dann, wenn der Tag bereits lang war und die eigentliche Arbeit am eigenen Projekt erst beginnt. Gleichzeitig gibt es einen Punkt, der alles wieder bestätigt: die App auf dem Handy zu öffnen und zu sehen, dass aus einer Idee ein funktionierender Prototyp geworden ist.

Pilotprojekte, Feedback und der Markt

Zum Zeitpunkt des Gesprächs befanden wir uns in der Pilotphase. Die ersten Nutzer kamen vor allem über das eigene Netzwerk und über persönliche Gespräche. Gerade in der Region Basel kennt man sich, spricht miteinander und merkt schnell, ob eine Idee auf Resonanz stösst.

Überrascht hat mich, wie neu das Thema für viele noch wirkt. Obwohl es bereits digitale Lösungen auf dem Markt gibt, scheint der Alltag vieler Verwaltungen und Eigentümer noch nicht dort angekommen zu sein, wo er sein könnte. Für ein junges Unternehmen kann genau das eine Chance sein. Bestehende Anbieter machen aus meiner Sicht im digitalen Marketing nicht alles konsequent. Dort wollen wir ansetzen.

Mund-zu-Mund-Empfehlungen bleiben wichtig. Gleichzeitig werden SEO, digitale Sichtbarkeit und klare Kommunikation für uns eine grosse Rolle spielen. Wir wollen nicht nur eine Software anbieten. Wir wollen verständlich machen, weshalb diese Art von Verwaltung für Vermieter, Eigentümergemeinschaften und Mieter einen echten Mehrwert schaffen kann.

Digitalisierung braucht Vertrauen

In der Schweiz besteht häufig ein starker Wunsch nach Kontrolle und Übersicht. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Es wird aber dann schwierig, wenn Digitalisierung automatisch als Kontrollverlust verstanden wird. Viele Menschen haben das Gefühl, eine Software übernehme Verantwortung, die sie selbst behalten möchten.

Aus meiner Sicht geht es genau um das Gegenteil. Eine gute digitale Lösung soll Kontrolle sichtbarer machen. Sie soll Abläufe ordnen, Informationen zugänglich machen und Entscheidungen vereinfachen. Gerade wenn mehrere Personen an einer Liegenschaft beteiligt sind, kann Transparenz ein grosser Vorteil sein.

Die Schweiz ist in gewissen digitalen Themen manchmal drei bis fünf Jahre später dran als andere Märkte. Für mich muss das kein Nachteil sein. Wenn man früh genug beginnt, kann man aus den Fehlern anderer lernen, neue Technologien sauber integrieren und eine Lösung bauen, die zum Markt passt. Auch künstliche Intelligenz und Automatisierung werden in Zukunft eine Rolle spielen, sofern sie den Menschen tatsächlich entlasten.

Disziplin entsteht nicht aus einem Motivationsschub

Früher war mein Alltag weniger strukturiert. Nach dem Gym lag ich auch mal auf dem Sofa und machte nichts. Heute ist die Disziplin stärker geworden. Termine einhalten, klarer planen, strukturierter arbeiten. Das hat sich mit dem Unternehmen verändert.

Motivation allein reicht nicht.

Podcasts, Bücher und Impulse können helfen, aber am Ende muss man die einzelnen Gedanken reflektieren und prüfen, was für das eigene Leben wirklich funktioniert. Ich nehme aus verschiedenen Quellen Aspekte mit, kombiniere sie und wende das an, was zu mir passt.

Ein Gedanke hat mich besonders geprägt: Nicht zweimal hintereinander auszulassen. Einmal einen schlechten Tag zu haben, ist menschlich. Zweimal daraus ein neues Muster zu machen, kann gefährlich werden. Genau solche einfachen Regeln helfen, dranzubleiben, auch wenn es spät ist oder der Kopf müde wird.

Führung heisst Verantwortung übernehmen

Im Unternehmen hilft es sehr, einen Geschäftspartner zu haben. Eine zweite Meinung ist schnell verfügbar. Man kann Themen gemeinsam besprechen, unterschiedliche Perspektiven einholen und Entscheidungen besser einordnen. Gleichzeitig braucht es Momente, in denen jemand Verantwortung übernimmt.

Als Geschäftsführer muss ich Entscheidungen treffen können. Wichtig ist, dass mein Umfeld darauf vertrauen kann, dass diese Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen und im Interesse des Unternehmens getroffen werden. Für mich gilt das nicht nur geschäftlich, sondern auch im Privaten. Beziehungen, Familie, Verein oder Unternehmen funktionieren besser, wenn Vertrauen vorhanden ist und Führung nicht als Macht verstanden wird, sondern als Verantwortung.

Es braucht Menschen, die sagen: Da müssen wir durch. Und es braucht das Vertrauen, dass diese Entscheidung nicht aus Ego getroffen wird, sondern im gemeinsamen Interesse.

Zusammenarbeit bedeutet für mich also nicht, dass jede Entscheidung endlos geteilt werden muss. Sie bedeutet, die richtigen Gespräche zu führen, Meinungen ernst zu nehmen und danach bereit zu sein, Verantwortung für den nächsten Schritt zu übernehmen.

Was Erfolg für mich bedeutet

Erfolg bedeutet für mich in erster Linie zeitliche Freiheit. Machen zu können, was ich will, wann ich will und mit wem ich will. Natürlich steckt dahinter auch ein finanzieller Aspekt. Wer frei entscheiden möchte, braucht eine gewisse Sicherheit.

Es geht mir nicht nur darum, mehr zu besitzen. Der Gedanke ist eher, nicht jede Entscheidung vom Preis abhängig machen zu müssen. Einen Flug buchen zu können, ein paar Tage nach Kopenhagen zu gehen oder irgendwann weiterzureisen, ohne ständig alles gegeneinander abzuwägen. Das ist für mich ein Bild von Freiheit.

Für mich bedeutet Erfolg zeitliche Freiheit: machen zu können, was ich will, wann ich will und mit wem ich will.

Später kommen andere Ziele dazu. Familie, Kinder, ein Umfeld, dem man Möglichkeiten eröffnen kann. Auch das motiviert mich. Wenn ich heute an einem Fundament arbeite, dann nicht nur für den nächsten Monat. Ich arbeite auch an einem Grundbaustein für mein zukünftiges Leben.

Der Blick über die Schweiz hinaus

Für den Anfang konzentrieren wir uns klar auf die Schweiz. Die Pilotphase soll zeigen, was funktioniert, was angepasst werden muss und welche Funktionen den grössten Mehrwert schaffen. Die Auswertung dieser Phase ist wichtig, weil sie entscheidet, wie das Produkt weiterentwickelt wird.

Der Markt selbst ist jedoch nicht auf die Schweiz beschränkt. Immobilien gibt es überall. Menschen verwalten Liegenschaften, Renditeobjekte und Wohnraum in vielen Ländern. Deshalb ist der europäische Markt langfristig interessant. Auch Nordamerika kann später ein Thema werden. Das sind keine Schritte für morgen, aber Visionen für die kommenden Jahre. Der nächste konkrete Schritt bleibt näher: Feedback aus der Pilotphase aufnehmen, die wichtigsten Learnings implementieren und die Plattform marktreif weiterentwickeln. Zum Zeitpunkt des Interviews stand der Markteintritt für das erste Quartal 2026 im Raum.

Trial and Error als Lernprinzip

Als Laie in ein Softwareunternehmen einzusteigen, ist komplex. Genau deshalb ist Trial and Error für mich wichtig. Fehler zeigen sehr schnell, was noch nicht funktioniert. Diese Resonanz kann unangenehm sein, aber sie ist wertvoll.

Nicht alles muss man selbst können. Ich muss nicht der beste Programmierer sein, um ein Softwareunternehmen mit aufzubauen. Entscheidend ist, zu verstehen, wo die eigenen Stärken liegen und wie man sie ins Unternehmen einbringt. Mein Teil liegt stärker im Aufbau, in der Kommunikation, im Marktverständnis und in der Frage, wie aus einem Produkt ein Unternehmen entsteht.

Wenn jemand eine Idee hat, würde ich heute sagen: mach es. Geld kann man verlieren, aber Geld kann zurückkommen. Wichtiger ist, was man lernt, wenn man den Schritt wirklich geht.

Was ich meinem früheren Ich sagen würde

Am Anfang habe ich lange überlegt. Soll ich wirklich. Was passiert, wenn es scheitert. Was denken andere. Diese Gedanken können viel Energie kosten, bevor überhaupt etwas entstanden ist. Heute würde ich meinem früheren Ich klarer sagen: Mach es, probiere es, scheitere vielleicht und ziehe die Learnings daraus. Wenn etwas nicht funktioniert, ist die entscheidende Frage nicht, wie es von aussen aussieht. Entscheidend ist, weshalb es nicht funktioniert hat und was beim nächsten Mal besser gemacht werden kann.

Ich will später auf mein Leben zurückblicken und sagen können: Ich habe es versucht, ich habe gelernt und ich habe nach bestem Wissen das Beste daraus gemacht.

Diese innere Motivation trägt mehr als ein äusserer Applaus. Ich will nicht irgendwann zurückblicken und merken, dass ich immer nur das gemacht habe, was alle anderen auch gemacht haben. Wenn etwas nicht klappt, will ich wenigstens verstehen, weshalb. Und wenn es klappt, weiss ich, dass der Weg nicht zufällig entstanden ist.

Ein Produkt wächst durch echte Rückmeldungen

Für Imosync wird Feedback ein zentraler Teil der Weiterentwicklung bleiben. Besonders wertvoll sind Rückmeldungen von Menschen, die Immobilien besitzen, mieten, verwalten oder im Alltag mit Liegenschaften zu tun haben. Welche Funktionen fehlen. Welche Abläufe kosten unnötig Zeit. Welche Aufgaben könnten einfacher gelöst werden.

Eine mögliche Funktion, die für mich bereits heute interessant klingt, ist die direkte Organisation von Dienstleistungen aus der App heraus. Zum Beispiel eine Reinigung oder ein Putzinstitut auf Knopfdruck beauftragen zu können. Solche Erweiterungen können für Mieter und Vermieter echte Vorteile schaffen, wenn sie sauber umgesetzt werden.

Am Ende soll die Plattform nicht aus Annahmen entstehen, sondern aus echtem Nutzen. Die App soll Menschen helfen, Immobilien klarer, schneller und transparenter zu verwalten. Genau dort liegt für mich die Aufgabe der nächsten Phase.

Der eigene Weg entsteht beim Gehen

Unternehmertum ist für mich kein fertiges Bild, das man am Anfang schon vollständig versteht. Es entsteht beim Machen. Aus Gesprächen, aus Fehlern, aus Nächten vor dem Bildschirm, aus kleinen Fortschritten und aus Momenten, in denen man merkt, dass aus einer Idee langsam etwas Eigenes wird.

Ich stehe noch am Anfang. Genau das macht den Weg spannend. Es gibt keine Garantie, dass alles beim ersten Mal funktioniert. Aber es gibt die Möglichkeit, früh zu lernen, mutig zu handeln und sich ein Leben aufzubauen, auf das man später mit Ruhe zurückblicken kann.

Für mich bleibt dieser Gedanke zentral: Ich will mein Wissen erweitern, meine Abenteuerlust ernst nehmen und möglichst viel im Leben versuchen. Nicht aus blossem Drang nach Risiko. Sondern aus dem Wunsch, eines Tages sagen zu können, dass ich nicht nur zugeschaut habe.

Janis Binggeli
Business Growth
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