Business Growth

Ich wusste immer, dass es mehr gibt als nur den vorgezeichneten Weg

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Wie man meinen könnte, beginnt meine Geschichte nicht mit einer Kamera, einem Auftrag oder einem Kunden. Sie beginnt viel früher. In der Schule. Dort, wo sich früh zeigte, dass ich anders lernte, schneller verstand und mich kaum in ein Tempo einfügen konnte, das für alle gleich vorgesehen war.

Diese besondere Art zu lernen wurde später als Hochbegabung eingeordnet. Schon früh konnte ich Klassen überspringen, kam schneller voran und stand dadurch in einem Alter vor Möglichkeiten, in dem andere noch gar nicht über solche Entscheidungen nachdenken. Die Matura, ein Studium, Medizin, vielleicht Neurochirurgie. Von aussen betrachtet wirkte dieser Weg naheliegend. Er war klar, anerkannt und fast selbstverständlich.

Irgendwann merkte ich, dass ein logischer Weg nicht automatisch der eigene Weg ist. In mir war der Wunsch, breiter zu denken, Neues zu lernen, kreativ zu arbeiten und Dinge praktisch zu erleben. Mich hat interessiert, wie etwas wirkt, wie man Momente einfängt, wie man mit Bildern erzählt und wie aus einer Idee ein Gefühl entsteht.

Schon früh habe ich mit dem Handy und alten Digitalkameras fotografiert. Ohne Businessplan, ohne grosse Absicht. Es war etwas, das mir natürlich lag. Später entstand daraus ein Video für ein Hotel. Zuerst aus Interesse, fast nebenbei. Doch genau dort begann sich etwas zu verschieben. Menschen reagierten darauf, fragten nach und wollten mehr sehen. Aus einem spontanen Versuch entstand Nachfrage.Somit bin ich Schritt für Schritt in Social Media Management, Fotografie und Videoarbeit hineingewachsen. Erst kamen Fotos für Unternehmen, dann Produktaufnahmen, Videos, Content und immer mehr Projekte, bei denen es um Wirkung, Stimmung und Wiedererkennung ging.

Heute reise ich viel, arbeite international und begleite Unternehmen mit Content, Film, Fotografie und Branding. Wenn ich zurückschaue, wirkt vieles fast unwirklich. Gleichzeitig fühlt es sich nicht zufällig an. Es ist, als hätte sich ein Weg geöffnet, den ich nicht im Detail geplant hatte, aber innerlich schon lange gespürt habe.

Zwischen Erwartung und eigener Richtung

Begabung ist ein Geschenk. Gleichzeitig bringt sie Erwartungen mit sich. Wenn die Schule früh erkennt, dass jemand schneller lernt und besondere Möglichkeiten hat, entsteht rasch ein Bild. Menschen sehen einen akademischen Weg, einen sicheren Beruf, eine Zukunft, die man leicht erklären kann. Man wird in eine Richtung gedacht, bevor man selbst vollständig weiss, wohin man eigentlich möchte. Für mich war das ein ambivalentes Gefühl. Einerseits war es schön, Dinge schnell zu verstehen und Möglichkeiten zu haben. Andererseits lag darin ein permanenter Druck. Aus dieser Begabung sollte etwas Bestimmtes werden. Etwas Grosses. Etwas Anerkanntes. Etwas, das nach aussen Sinn ergibt. Doch Kreativität folgt selten einem linearen Plan. Ich habe immer gespürt, dass ich Raum brauche, um mich auszudrücken. Ich male, ich stricke, ich fotografiere, ich arbeite mit Bildern, Formen und Ideen. Dieser kreative Teil war keine Nebensache. Er war ein Teil meiner Persönlichkeit.

Meine Familie hat in dieser Phase eine grosse Rolle gespielt. Meine Eltern und meine Brüder haben mir Rückhalt gegeben und meinen Weg ernst genommen. Sie haben verstanden, dass mein Wert nicht daran hängt, ob ich einen akademisch perfekten Lebenslauf erfülle. Sie haben gesehen, dass ich etwas Eigenes aufbauen möchte.

Für viele Menschen war das nicht sofort nachvollziehbar. Wenn jemand die Möglichkeit hat, einen klassischen und angesehenen Weg zu gehen, wirkt eine kreative Selbstständigkeit im ersten Moment unsicher. Man wird gefragt, warum man das macht, wohin das führen soll und ob daraus wirklich ein Beruf entstehen kann. Für mich war entscheidend, mein Leben nicht ausschliesslich nach äusserer Sicherheit auszurichten. Titel, Studium und klare Strukturen können wertvoll sein. Mein eigener Weg brauchte jedoch mehr Bewegung, mehr Gestaltung und mehr Freiheit. Ich wollte jeden Tag Neues sehen, lernen, reisen, erleben und mit Aufgaben arbeiten, die mich wirklich fordern.

In eine neue Branche hineinwachsen

Der Einstieg in die kreative Selbstständigkeit war vor allem eine Lernphase. Ich kam aus keiner klassischen Ausbildung in Fotografie, Film oder Marketing. Vieles musste ich mir selbst erarbeiten. Wie funktioniert eine Kamera wirklich? Wie arbeitet man mit Licht? Was macht ein gutes Bild aus? Wie denkt ein Algorithmus? Was berührt Menschen? Was bleibt hängen? Wie verkauft man ein Gefühl, ohne es künstlich wirken zu lassen?

Diese Lernkurve war enorm. Am Anfang wurde meine Arbeit von manchen eher als Hobby wahrgenommen. Es klang manchmal so, als wäre es eine Phase, bis irgendwann wieder etwas Richtiges kommt. Genau damit musste ich umgehen lernen. Es ging um Technik, Fachwissen und Erfahrung, aber genauso um innere Klarheit.

Ich musste für mich selbst verstehen: Das ist mein Beruf. Ich bin nicht orientierungslos. Ich baue etwas auf.

Vieles habe ich durch Austausch gelernt. Vieles über YouTube, Recherche, Lesen und vor allem durch praktische Erfahrung. Ich habe ausprobiert, Fehler gemacht, daraus gelernt und weitergemacht. Dieses ständige Testen wurde zu einem natürlichen Teil meines Weges.

Es gab keinen perfekten Einstieg und keinen Moment, in dem plötzlich alles klar war. Jedes Projekt, jede Unsicherheit und jede neue Herausforderung hat mich weitergebracht. Bis heute sehe ich mich in Entwicklung. Genau das macht diesen Weg für mich spannend. Es gibt immer neue Ebenen, neue Fähigkeiten und neue Möglichkeiten, besser zu werden.

Als Kreativität Struktur brauchte

Viele der ersten Aufträge entstanden durch Empfehlungen. Besonders im Hotelbereich funktionierte Mund-zu-Mund-Propaganda sehr gut. Ich machte Filme, Menschen waren zufrieden, neue Kontakte kamen dazu.

Mit der Zeit wurde deutlich, dass Talent allein keine Grundlage für ein stabiles Geschäft ist. Kreativität öffnet Türen. Struktur entscheidet, ob man durch diese Türen auch langfristig gehen kann. Rechnungen kommen regelmässig. Fixkosten bleiben bestehen. Ein guter Einzelauftrag kann viel auslösen, gibt aber noch keine Sicherheit für die nächsten Monate. Deshalb begann ich, meine Arbeit stärker unternehmerisch zu betrachten. Ich plante meine Einnahmen, baute fixe Kunden auf und entwickelte langfristigere Verträge. Drei oder vier feste Kunden verändern die Ausgangslage stark. Sie geben eine Basis, auf der zusätzliche Projekte nicht überlebensnotwendig werden, sondern Wachstumsmöglichkeiten bleiben.

Das war ein wichtiger Wendepunkt. In der Selbstständigkeit entsteht Stabilität durch bewusste Entscheidungen. Man baut sie über Struktur, Verantwortung und Planung. Freiheit ist ein grosser Teil dieses Weges, doch sie funktioniert erst dann richtig, wenn man lernt, sie zu tragen. Für mich war diese Erkenntnis kein Rückschlag. Sie hat mir geholfen, professioneller zu denken und meine Kreativität in eine Form zu bringen, die langfristig bestehen kann.

Wenn Leistung zur Erschöpfung wird

In der Anfangszeit habe ich sehr viel gearbeitet. Der Tag begann teilweise um fünf oder halb sechs Uhr morgens und endete spät abends. Wochenlang. Ich wollte Kunden gewinnen, jede Chance nutzen, alles richtig machen und niemanden enttäuschen. Dieses Tempo kann eine Zeit lang funktionieren. Irgendwann zeigt der Körper jedoch, dass reine Willenskraft kein System ersetzt. Ich hatte meinen Schlaf vernachlässigt, Pausen vergessen und mich selbst zu weit nach hinten gestellt. Daraus entstand der Punkt, an dem ich lernen musste, mir eine klare Struktur zu geben.

Heute beginnt mein Tag oft früh, aber bewusst. Zuerst kommt meine Morgenroutine. Meditation, Pilates oder Yoga, manchmal Joggen, danach duschen, frühstücken und erst dann beginnt die Arbeit.

Diese Routine gibt mir Ruhe. Sie sorgt dafür, dass ich nicht direkt in Anforderungen hineingezogen werde, sondern zuerst bei mir selbst ankomme. Auch während des Tages arbeite ich heute klarer. Wenn ich arbeite, dann konzentriert. Wenn ich Pause mache, dann wirklich. Ich habe gelernt, dass mehr Stunden nicht automatisch bessere Arbeit bedeuten. Manchmal entsteht die stärkere Leistung genau dann, wenn man weniger zerstreut ist und mehr Energie in die richtigen Momente legt. Früher habe ich oft gearbeitet, um weiterzuarbeiten. Heute versuche ich, bewusster zu arbeiten. Präziser. Ruhiger. Mit mehr Vertrauen in meine eigene Struktur.

Was mich in schwierigen Momenten trägt

Herausforderungen haben mich nie grundsätzlich abgeschreckt. Durch Sport, Schule und meine Familie habe ich früh gelernt, dass Fehler nicht das Ende einer Sache sind. Sie zeigen, wo man noch lernen darf.

Diese Haltung begleitet mich bis heute. Wenn ich an einem Punkt stehe, an dem ich nicht weiterweiss, versuche ich, den Moment nicht isoliert zu betrachten. Ich schaue zurück. Vor einem Jahr wusste ich vieles noch nicht, was heute selbstverständlich wirkt. Dinge, die früher weit entfernt schienen, sind heute Teil meines Alltags. Internationale Anfragen. Reisen. Kunden. Projekte. Erfahrungen, die ich mir am Anfang kaum vorstellen konnte.

Dieser Rückblick gibt mir Vertrauen. Nicht, weil alles einfach war. Sondern weil ich sehe, dass ich bereits viele Situationen gemeistert habe, die sich zuerst unsicher angefühlt haben.

In schwierigen Zeiten erinnere ich mich daran, wie weit ich bereits gekommen bin. Daraus entsteht Zuversicht. Ich weiss, dass ich lernen kann. Ich weiss, dass ich mich anpassen kann. Und ich weiss, dass viele Dinge erst unterwegs klar werden.

Erfolg bedeutet für mich innerer Frieden

Am Anfang war Freiheit ein grosser Teil meines Erfolgsverständnisses. Die Möglichkeit, meine Zeit selbst einzuteilen, zu reisen, eigene Entscheidungen zu treffen und nicht an ein starres System gebunden zu sein. Auch Geld spielt eine Rolle. Es schafft Möglichkeiten, gibt Sicherheit und erweitert den Handlungsspielraum. Mit der Zeit wurde für mich jedoch klar, dass äusserer Erfolg allein nicht trägt.

Man kann an einem wunderschönen Ort sein, irgendwo am Meer, vielleicht in der Karibik, und trotzdem innerlich unruhig bleiben. Wenn man sich selbst nicht mag, wenn Zweifel ständig lauter sind als Vertrauen, kann kein äusseres Bild dieses Gefühl vollständig ersetzen.

Heute bedeutet Erfolg für mich vor allem Seelenfrieden. Erfolg ist, mit sich selbst im Reinen zu sein. Durch die Welt zu gehen und nicht von jeder Situation aus der Bahn geworfen zu werden. Gelassener zu bleiben, wenn etwas anders kommt als geplant. Freude an kleinen Dingen zu empfinden. Sich selbst zu vertrauen.

Für mich ist Erfolg mehr als das, was sichtbar ist. Reisen, Geld, Freiheit und Anerkennung können schön sein. Entscheidend ist, was im Inneren passiert. Die Ruhe, mit der man lebt. Die Klarheit, mit der man entscheidet. Die Fähigkeit, das eigene Leben nicht nur zu leisten, sondern wirklich zu erleben.

Beziehungen brauchen ein gemeinsames Verständnis

Mein Umfeld spielt für meinen Weg eine grosse Rolle. Gerade weil meine Arbeit nicht immer einem normalen Alltag folgt. Bei mir war es bisher möglich, Beziehung, Freundschaften und Arbeit gut miteinander zu verbinden. Das liegt auch daran, dass die Menschen in meinem Umfeld sehr eigenständig sind und mein Partner meinen Lebensstil versteht.

Wenn ich für einen Auftrag unterwegs bin und es zeitlich passt, kann er mitkommen. Manchmal wird er automatisch Teil meines Alltags. Administrative Dinge lassen sich organisieren, während ich mich auf Fotos, Videos und kreative Arbeit konzentriere. Damit das funktioniert, braucht es gemeinsame Werte. Ich brauche Menschen um mich herum, die verstehen, dass mein Leben anders strukturiert ist. Dass ich früh aufstehe, viel arbeite, manchmal unterwegs bin und meinen Fokus brauche. Das hat nichts mit fehlender Nähe zu tun. Es ist ein Teil des Weges, den ich gewählt habe.

Unterstützung bedeutet für mich, dass der andere versteht, wofür man es macht. Wenn diese Basis da ist, entsteht eine natürliche Balance. Jeder hat seinen eigenen Raum, seine eigenen Interessen und trotzdem eine Verbindung, die trägt.

Vom Content zur Markenentwicklung

Heute liegt mein Fokus nicht mehr nur auf klassischem Social Media Management. Ich mache weiterhin Content, Shootings, Werbevideos und Fotos. Gleichzeitig zieht es mich immer stärker in Richtung Branding.

Mich interessiert, warum ein Produkt relevant ist. Wer soll angesprochen werden? Welche Psychologie steckt dahinter? Welche Zielgruppe soll erreicht werden? Wie muss ein Produkt aufgebaut und positioniert sein, damit Menschen es wirklich verstehen?

Für mich gibt es kein langweiliges Produkt. Es gibt nur langweiliges Marketing.

Wenn man die richtige Sprache, die richtige Positionierung und das richtige Gefühl findet, kann fast jedes Produkt interessant werden. Dann entsteht Aufmerksamkeit, aber auch Verständnis. Menschen erkennen, weshalb etwas einen Platz in ihrem Leben haben könnte.

Diese Arbeit erfüllt mich, weil ich von Anfang an mitdenke. Ich begleite Unternehmen nicht erst, wenn alles fertig ist, sondern helfe dabei, die Grundlage zu formen.

Für die nächsten Monate wünsche ich mir mehr langfristige Partnerschaften. Projekte, bei denen ich nicht nur einzelne Inhalte produziere, sondern Unternehmen über einen längeren Zeitraum begleite. Von der ersten Idee über das Branding bis zur sichtbaren Wirkung nach aussen.

Was ich meinem jüngeren Ich mitgeben würde

Wenn ich heute meinem jüngeren Ich gegenübersitzen würde, wäre mein Rat sehr klar: Fang einfach an. Nicht perfekt vorbereitet. Nicht erst, wenn alles verstanden ist. Nicht erst, wenn jede Unsicherheit verschwunden ist. Einfach anfangen. Perfektionismus kann antreiben, aber er kann auch blockieren. Ich wollte vieles von Anfang an richtig machen. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Entwicklung wichtiger ist als Perfektion.

Fehler gehören dazu. Sie sind kein Zeichen dafür, dass man falsch unterwegs ist. Sie sind Teil des Weges.

Ich würde mir auch sagen, mich weniger mit anderen zu vergleichen. Besonders auf Social Media sieht man oft nur Ergebnisse. Man sieht selten die Unsicherheit, die Umwege, die Zweifel und die stillen Phasen dahinter. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo. Seine eigenen Stärken. Seine eigenen Lernkurven. Seine eigenen Höhen und Tiefen. Wichtig ist, Erfahrungen zu sammeln, Dinge auszuprobieren, weiterzugehen und dem eigenen Prozess zu vertrauen. Wissen, Selbstvertrauen und Erfolge entstehen nicht auf einmal. Sie wachsen mit jedem Schritt.

Die Frage, die mich selbst beschäftigt

Eine Frage begleitet mich immer wieder: Woran erkennt man, welche Projekte und welche Kunden langfristig wirklich zu einem passen?

Nicht nur fachlich. Nicht nur finanziell. Auch menschlich, inhaltlich und energetisch.

Manchmal klingt ein Auftrag gut, und trotzdem spürt man, dass etwas nicht stimmt. Manchmal ist ein Projekt kleiner, aber es fühlt sich richtig an. Es passt zu den eigenen Werten, zur eigenen Arbeitsweise und zu dem, was man langfristig aufbauen möchte.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fragen in der Selbstständigkeit. Es geht nicht nur darum, mehr zu machen. Es geht auch darum, bewusster zu wählen.

Denn am Ende zählt nicht, möglichst beschäftigt zu sein. Entscheidend ist, einen Weg aufzubauen, der nach aussen funktioniert und sich im Inneren richtig anfühlt.

Lea Voss
Business Growth
9 min
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