Business Growth

Braxton Tinsley: Geld ist das Werkzeug, nicht der Gipfel

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18 Min.

Zwischen Highland Village und der Farm

Wenn ich heute auf meine Kindheit zurückblicke, sehe ich zwei Welten, die mich auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben. Den grössten Teil des Jahres lebte ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern in Highland Village, Texas, wo sie zwei Vollzeitstellen und zusätzlich einen Teilzeitjob übernahm, damit wir in einer Gegend mit guten Schulen bleiben konnten. In den Ferien, an Wochenenden und während des Sommers war ich bei meinen Grosseltern auf der Farm, ungefähr eine Stunde und fünfundvierzig Minuten entfernt. Zwischen diesen beiden Orten wechselten die Umstände, die Menschen und der Rhythmus des Alltags, und als Kind nahm ich vieles einfach so hin, wie es kam, ohne bereits zu wissen, wie stark mich diese Erfahrungen später begleiten würden.

Meine Mutter traf ihre Entscheidungen immer mit dem Gedanken, uns eine bessere Ausgangslage zu geben, auch wenn sie selbst dafür fast alles zurückstellen musste. Es gab Phasen, in denen das Geld für einfache Mahlzeiten reichte und wir auf die Unterstützung der Schule angewiesen waren, während Rechnungen offen blieben und zu Hause plötzlich der Strom ausging. An Weihnachten kam es vor, dass Geschenke wieder zurückgebracht wurden, damit die Elektrizität eingeschaltet werden konnte. Mein Bruder starb, als ich neun Jahre alt war, und diese Erfahrung lag über einer Kindheit, in der meine Mutter trotzdem jeden Morgen aufstand, arbeiten ging und versuchte, für uns Stabilität zu schaffen. Ich hörte sie nachts im Badezimmer weinen, weil sie dachte, dass wir es in unseren Zimmern nicht mitbekamen, und verstand mit der Zeit, dass Stärke oft sehr leise aussieht.

Auf der Farm begegnete mir Arbeit in einer anderen Form. Mein Grossvater Winston war ein ruhiger Mann, der erst sprach, wenn er etwas zu sagen hatte, und dessen Haltung mir bis heute näher ist, als ich damals hätte erklären können. Wir standen früh auf, gingen hinaus auf die Felder und arbeiteten auch an Tagen, an denen die texanische Hitze so schwer auf einem lag, dass jede Bewegung mehr Kraft kostete. Mein erstes Haustier war eine Kuh, die ich nach meinem Grossvater benannte, und ich war noch sehr jung, als ich begriff, dass das Leben auf einer Farm seine eigenen Regeln hatte. Was für ein Kind wie eine kleine Welt voller Tiere und Freiheit aussah, war zugleich ein Betrieb, der von Jahreszeiten, Ausdauer und der Bereitschaft lebte, lange zu arbeiten, bevor eine Ernte überhaupt sichtbar wurde.

Auf dem Gelände lebten auch mexikanische Familien, die auf der Farm arbeiteten. Ich ass bei meiner Grossmutter, fuhr danach mit dem Fahrrad zu ihnen hinüber und sass wenig später an einem zweiten Tisch, an dem anders gesprochen, gekocht und gefeiert wurde. Diese Begegnungen waren für mich kein besonderes Programm und keine Lektion über kulturelle Offenheit, sie gehörten einfach zu meinem Leben. Später, als ich mit Kunden aus verschiedenen Ländern arbeitete und zwischen Sprachen, Erwartungen und gesellschaftlichen Gewohnheiten vermitteln musste, merkte ich, dass diese frühen Jahre mir eine Selbstverständlichkeit gegeben hatten, die sich nicht aus einem Lehrbuch lernen lässt.

Studieren im Licht der Laternen

An der Texas A&M University-Commerce entschied ich mich für Fotografie und Psychologie, weil mich beides auf eine ähnliche Weise beschäftigte. Bei der Fotografie ging es für mich um die sichtbare Form einer Idee, bei der Psychologie um die Menschen, die dieses Bild wahrnehmen, darauf reagieren oder darin etwas von sich selbst erkennen. Ich mochte die technische Arbeit, die Dunkelkammer, das Licht und die Präzision, doch ebenso wichtig war mir die Frage, weshalb ein Bild bei einer Person hängen bleibt und ein anderes sofort wieder verschwindet. Schon damals zog es mich zu grossen Installationen, politischen und religiösen Arbeiten sowie Projekten, die mehr verlangten als eine schöne Oberfläche.

Die Ausbildung musste ich weitgehend selbst finanzieren, weshalb meine Wochen über Jahre hinweg fast vollständig aus Arbeit und Studium bestanden. Nachts war ich in einem Hotel beschäftigt, am Wochenende übernahm ich lange Schichten bei Target, tagsüber arbeitete ich zusätzlich im Café der Universität und belegte gleichzeitig deutlich mehr Kurse, als für ein Vollzeitstudium vorgesehen waren. Ich wollte beide Abschlüsse innerhalb von vier Jahren beenden und nahm deshalb pro Semester ein Pensum auf mich, das kaum Platz für etwas anderes liess. Die Kunst machte diese Zeit zusätzlich teuer, weil neben Büchern auch Kameratechnik, Material, Drucke und die Kosten für grosse Arbeiten anfielen, und ich entschied mich immer wieder dafür, das Geld in meine Projekte zu stecken.

Während ungefähr zwei Jahren hatte ich keinen Strom in meiner Wohnung. Freunde brachten mir Lebensmittel, die ich in einer Kühlbox aufbewahrte, und ich blieb abends in der Bibliothek, bis sie um Mitternacht schloss. Danach ging ich nach Hause, stellte mehrere gasbetriebene Laternen um mich herum auf und arbeitete weiter, wobei das Licht gerade ausreichte, um lesen und schreiben zu können, und die Flammen im Winter wenigstens ein wenig Wärme abgaben. Rückblickend wirkt diese Zeit aussergewöhnlich hart, damals hatte sie jedoch eine merkwürdige Normalität, weil jeder Tag bereits mit der Frage begann, wie ich Studium, Arbeit und die nächsten Rechnungen zusammenbringen würde.

Ich erzähle diese Jahre nicht, um die Belastungen anderer Menschen kleinzureden. Jeder trägt Dinge, die von aussen kaum sichtbar sind, und Disziplin löst längst nicht jedes Problem. Für mich wurden diese Erfahrungen dennoch zu einem Massstab, sobald ich später selbst vor einer schwierigen Entscheidung stand. Ich hatte gelernt, dass ein Ziel häufig erreicht wird, während die Bedingungen noch unvollständig, unbequem oder sogar ziemlich schlecht sind, und dass man sich in solchen Phasen auf den nächsten machbaren Schritt konzentrieren muss, weil das ganze Problem auf einmal kaum zu tragen wäre.

Als aus Kunst ein Beruf wurde

Noch während des Studiums begann ich für Publikationen im Raum Dallas zu arbeiten, darunter die Dallas Morning News und Modern Luxury, und gehörte in meinem Programm zu den Studierenden, die früh professionelle Aufträge erhielten. Für mich bestand gute kreative Arbeit immer aus drei Teilen: einer Idee, handwerklicher Beherrschung und der Fähigkeit, ein Projekt bis zu seinem tatsächlichen Abschluss zu führen. Viele Menschen haben starke Einfälle, andere verfügen über ausgezeichnete Technik, doch erst wenn beides zusammenkommt und die letzte Phase mit derselben Sorgfalt getragen wird, entsteht eine Arbeit, die bestehen kann.

Nach der Universität gründete ich mit einem Geschäftspartner eine Produktionsfirma und das Magazin Blissful Dish. Wir fotografierten Restaurants, Bars, Clubs und Hotels in Dallas, Fort Worth und Austin, darunter Häuser und Marken, die in der Region für gehobene Gastronomie und Gastfreundschaft standen. Uns störte, dass Restaurants in vielen Magazinen Seite an Seite mit ihrer direkten Konkurrenz erschienen und gleichzeitig kaum nachvollziehen konnten, wo die gedruckten Exemplare tatsächlich landeten. Unsere Idee bestand deshalb darin, Inhalte direkt in Hotels zu bringen, die eigenen Restaurants, Lounges und Veranstaltungen zu präsentieren und die Gäste bereits bei ihrer Ankunft mit Bildern und Videos zu erreichen.

Die Produktionen waren aufwendig, weil wir Menüs saisonal neu fotografierten, Veranstaltungen begleiteten und aus dem Material später auch Bewegtbild für Hotellobbys entwickelten. Bei den Food-Shootings war uns wichtig, dass die gezeigten Teller tatsächlich aus der Küche kamen und ein Gast ungefähr das erhielt, was er zuvor gesehen hatte. Nach den Aufnahmen setzten wir uns vor die Kamera und assen die Gerichte, die wir fotografiert hatten, was im Internet viele Menschen anzog, weil sie spürten, dass die Bilder nicht vollständig von der Realität gelöst waren. Aus einem dieser Lobbyvideos entstand später ein Auftrag für Robert Mondavi Winery, nachdem Vertreter des Unternehmens den Film während eines Hotelaufenthalts gesehen hatten.

Diese Jahre gaben mir Zugang zu bekannten Köchen, Hotels, Marken und Menschen, die von aussen eine sehr attraktive Welt verkörperten. Gleichzeitig lernte ich, wie schnell ein kreatives Unternehmen unter Druck gerät, wenn ein grosser Kunde nur einen Teil einer Rechnung bezahlt, ein Marketingbudget ohne Vorwarnung gestrichen wird oder man zwar eine hervorragende Arbeit liefert, aber rechtlich und finanziell kaum dieselbe Stärke besitzt wie das Unternehmen auf der anderen Seite des Vertrags. Ich hatte mir lange vorgestellt, dass Qualität irgendwann automatisch zu Anerkennung, Respekt und fairer Behandlung führt. In der Praxis musste ich lernen, meine Arbeit zu schützen, klare Bedingungen auszuhandeln und den wirtschaftlichen Teil genauso ernst zu nehmen wie das Bild, das am Ende auf einer Seite oder einem Bildschirm erschien.

Der Küchentisch, an dem sich mein Weg veränderte

Der Wechsel in die Immobilienbranche begann beinahe beiläufig. Mein Geschäftspartner arbeitete bereits für Makler und schlug mir mehrfach vor, eine Immobilienlizenz zu machen, doch ich sah mich weiterhin als Künstler und Psychologe und dachte an eine spätere Kunstschule für Kinder mit Autismus, die über kreative Arbeit einen Zugang zu ihren Gefühlen finden sollten. Immobilien wirkten daneben wie eine rein kommerzielle Richtung, die wenig mit dem zu tun hatte, was ich für sinnvoll hielt.

Während eines Drohnenauftrags bat mich ein Makler, zusätzlich die Rückseite eines Hauses zu fotografieren. Kurz darauf kam eine Familie zur Besichtigung, die Spanisch sprach, während der Makler nur Englisch konnte, und nach einigen Minuten fragte ich, ob ich übersetzen sollte. Aus der Besichtigung wurde ein längeres Gespräch, danach half ich auch bei den Vertragsunterlagen, und am Ende des Tages hatte ich für Fotografie, Übersetzung und Unterstützung bei der Abwicklung mehr verdient, als ich ursprünglich erwartet hatte. Der Makler bot mir an, die Ausbildung zu bezahlen, wenn ich künftig internationale Kunden begleiten würde, und obwohl ich den Vorschlag zuerst ablehnte, blieb mir die Erfahrung im Kopf.

Meine erste eigene Transaktion verlief ordentlich, doch bei der zweiten verstand ich, was diese Arbeit bedeuten konnte. Eine Familie aus Mexiko-Stadt wollte ihr Haus in Texas verkaufen und anschliessend in eine Gegend ziehen, die den Kindern gute Schulen, Sportplätze und mehr Möglichkeiten bot. Ich bereitete das Haus vor, fotografierte und vermarktete es, führte die Verhandlungen und konnte einen Verkaufspreis erreichen, der deutlich über dem lag, was die Familie zunächst erwartet hatte. Gleichzeitig verhandelte ich den Preis des neuen Hauses herunter und sprach mit ihrer Bank darüber, für beide Söhne jeweils ein Studienkonto einzurichten, damit ein Teil des Überschusses langfristig für ihre Ausbildung reserviert blieb.

Als wir am Esstisch sassen, legte ich den Eltern die Angebote vor und erklärte ihnen auf Spanisch, welche Variante ich für die beste hielt. Danach zeigte ich ihnen, wie der Verkauf, der günstigere Kaufpreis und die beiden Studienkonten zusammenpassten, und erzählte ihnen, dass ihre Kinder damit als Erste in der Familie eine reale Möglichkeit auf ein Universitätsstudium haben würden. Sie antworteten zunächst nicht, weil beide zu weinen begannen. Ich war ebenfalls emotional, denn in all den Jahren als Fotograf hatte ich viel Anerkennung erlebt, doch noch nie hatte jemand so unmittelbar auf etwas reagiert, das ich durch meine Arbeit möglich gemacht hatte.

Dieser Moment veränderte meinen Blick auf Immobilien. Ich konnte meine Erfahrung mit Bildern, Marketing, Sprachen, Psychologie und Verhandlungen einsetzen, dabei meinen Lebensunterhalt verdienen und gleichzeitig Entscheidungen begleiten, die für eine Familie weit über den Kauf oder Verkauf eines Hauses hinausgingen. Kurz darauf bat ich meinen Geschäftspartner, meinen Anteil an der Produktionsfirma zu übernehmen, und begann, meine Energie stärker auf die Immobilienarbeit zu richten, während die Fotografie weiterhin ein Teil meiner Arbeit und meiner Identität blieb.

Am Küchentisch dieser Familie verstand ich, dass wirtschaftlicher Erfolg und eine spürbare Wirkung im Leben anderer Menschen denselben Ursprung haben können.

Immobilien als persönliche Dienstleistung

In den folgenden Jahren entwickelte sich aus dieser ersten Erfahrung eine Arbeit, die weit über klassische Besichtigungen hinausging. Viele meiner Kunden kamen aus anderen Ländern, sprachen mehrere Sprachen oder mussten innerhalb kurzer Zeit Entscheidungen in einer Stadt treffen, die sie kaum kannten. Wer für eine neue berufliche Aufgabe, eine Investition oder den Ruhestand nach Texas, in einen anderen Bundesstaat oder ins Ausland zieht, braucht häufig einen verlässlichen Ansprechpartner, der die verschiedenen Schritte zusammenhält und erkennt, an welcher Stelle Unsicherheit entsteht.

Mit Tinsley Realty und heute auch im Umfeld von Coldwell Banker begleite ich Kunden im Raum Dallas-Fort Worth sowie bei internationalen Verbindungen. Die fotografische Arbeit ist dabei geblieben, besonders bei hochwertigen Immobilien, für die wir Räume vorbereiten, möblieren und mit einer visuellen Geschichte verbinden, damit Interessenten ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das Leben an diesem Ort anfühlen könnte. Dazu kommen Verhandlungen, Kontakte zu Anwälten, Umzugsunternehmen, Sicherheitsdiensten und weiteren Fachpersonen, die bei komplexen Transaktionen gebraucht werden. Mein Ziel ist, dass ein Kunde möglichst wenig Energie darauf verwenden muss, herauszufinden, wer als Nächstes zuständig ist und wie alle Teile zusammenpassen.

Als die Zahl der Makler in den Vereinigten Staaten stark wuchs und viele Unternehmen begannen, sich hauptsächlich über niedrigere Honorare zu positionieren, entschied ich mich für einen anderen Weg. Ich wollte einen umfassenderen Service aufbauen, dessen Preis durch Erfahrung, Erreichbarkeit, Diskretion und die Fähigkeit getragen wird, auch aussergewöhnliche Situationen ruhig zu koordinieren. Manche Kunden erwarten einen vollständig organisierten Aufenthalt, eine Abholung am Flughafen, vorbereitete Termine und eine Betreuung, die sich an ihrem Tagesablauf orientiert. Andere kaufen ein bescheidenes erstes Zuhause und tragen dabei einen ebenso grossen persönlichen Traum mit sich. In beiden Fällen beginnt gute Beratung für mich damit, aufmerksam zuzuhören, denn der finanzielle Umfang einer Transaktion sagt wenig darüber aus, wie viel sie einem Menschen bedeutet.

Über die Immobilienarbeit entstanden später Verbindungen zu weiteren Bereichen, darunter Bau, Dacharbeiten, Boote, Versicherungen und Vermögensplanung. Ich sehe diese Tätigkeiten als Teile eines Netzwerks, das aus langjährigen Beziehungen hervorgegangen ist und Kunden in verschiedenen Phasen begleiten kann. Trotzdem versuche ich, jedes neue Projekt an derselben Frage zu messen: Löst es ein konkretes Problem für Menschen, mit denen wir bereits arbeiten, und können wir es mit derselben Sorgfalt tragen, die sie von uns erwarten? Wachstum allein hat für mich wenig Wert, wenn dadurch die Qualität einer Beziehung oder die Verantwortung innerhalb eines Teams verloren geht.

Wie aus einer Weihnachtsaktion Positive Waves entstand

Mit dem Erfolg meiner Unternehmen wuchs auch die Möglichkeit, Menschen in meiner Umgebung direkter zu unterstützen. Der Anfang von Positive Waves war klein und persönlich, weil ich zu Thanksgiving zunächst einer alleinerziehenden Mutter ein Essen schenkte und zu Weihnachten eine weitere Familie finden wollte, die Hilfe brauchte. Ich fragte über soziale Medien nach einer Empfehlung und erhielt innerhalb kurzer Zeit ungefähr ein Dutzend Namen. Im ersten Jahr kümmerten wir uns deshalb um mehrere Familien, brachten Lebensmittel, Kleidung, Geschenke und Weihnachtsdekoration vorbei und versuchten, auch den Müttern etwas zu geben, das nur für sie gedacht war.

Eine Frau sagte mir, dass ein Weihnachtsbaum ohnehin wenig Sinn hätte, weil in ihrer Wohnung kein Strom vorhanden war. Ich bat sie, mit der Rechnung und dem Geld, das sie selbst noch aufbringen konnte, zu mir zu kommen, weil ich sehen wollte, wie die Situation tatsächlich aussah. Sie brachte Münzen und kleine Scheine mit, die wahrscheinlich alles waren, was ihr geblieben war. Ich gab ihr das Geld zurück, bezahlte die Rechnung direkt beim Versorger und erhielt am nächsten Tag ein Foto ihrer Kinder, die unter den eingeschalteten Lampen standen und nach oben zeigten. Dieses Bild traf mich sofort, weil ich sehr genau wusste, wie sich ein Haus anfühlt, in dem das Licht ausgeht.

Wenig später rief ein Kinderkrankenhaus an, dessen Vorrat an Weihnachtsgeschenken während der Pandemie fast vollständig aufgebraucht war. Dort besuchen Mitarbeitende die Kinder am Weihnachtsmorgen mit einem Wagen voller Spielsachen, und der Gedanke, dass ein krankes Kind im Krankenhaus aufwacht und zusätzlich glaubt, von Weihnachten vergessen worden zu sein, liess mir keine Ruhe. Ich kontaktierte Kunden, Freunde und mein Umfeld und versprach, jede gespendete Summe und jedes Spielzeug mehrfach zu ergänzen. Daraus entwickelte sich über die Jahre eine enge Zusammenarbeit, während Positive Waves gleichzeitig immer mehr Familien in der Region erreichte.

Heute kommen Eltern zu bestimmten Zeiten in mein Haus, gehen durch Räume voller Kleidung, Schuhe, Geschenke, Sportartikel und Kunstmaterialien und wählen aus, was ihre Kinder wirklich brauchen. Wir kochen in meiner Küche grosse Mengen an Essen, wobei ehemalige Soldaten, Sportler, Freunde und Menschen aus der Umgebung gemeinsam Gemüse schneiden, Pasta zubereiten und Mahlzeiten verpacken. Eine grosse Gala würde nach aussen möglicherweise eindrucksvoller aussehen, doch ein erheblicher Teil der Spenden würde für Veranstaltungsräume, Catering und Organisation verschwinden. Mir ist wichtiger, dass das Geld bei den Familien und dem Krankenhaus ankommt, weshalb ein fester Anteil der Einnahmen aus meinen Unternehmen in diese Arbeit fliesst.

Positive Waves ist inzwischen auch ausserhalb von Texas aktiv geworden und hat einzelne Menschen und Projekte in Europa, Afrika sowie Mittel- und Südamerika unterstützt. Dabei achten wir darauf, dass Hilfe möglichst eine Grundlage schafft, auf der jemand weiterbauen kann, etwa durch eine Ausbildung, ein kleines Unternehmen oder eine bessere Versorgung der eigenen Familie. Die Erfahrung aus meinem Leben hat mir gezeigt, wie gross der Unterschied sein kann, den eine rechtzeitige Unterstützung macht. Eine bezahlte Rechnung, ein Studienkonto oder ein gut geplanter beruflicher Schritt lösen längst nicht jedes Problem, können einem Menschen jedoch genug Luft geben, um selbst wieder handeln zu können.

Glaube, Familie und ein freier Sonntag

Mein Glaube begleitet mich offen durch meine Unternehmen und durch Positive Waves. Ich bete mit Kunden und Familien, wenn sie damit einverstanden sind, und habe erlebt, dass Menschen in solchen Momenten eine Ruhe zulassen, die im üblichen Geschäftsgespräch kaum Platz findet. Viele wissen bereits vor dem ersten Treffen, welche Werte mir wichtig sind, weil wir daraus kein Geheimnis machen. Für mich bedeutet diese Offenheit vor allem eine Verpflichtung zu Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und einem Umgang mit Geld und Verantwortung, den ich auch dann vertreten kann, wenn niemand zusieht.

Eine wichtige Grenze entstand durch einen Mitarbeiter meines ersten Teams. Er kam zu mir und sagte, dass er mehr Geld verdiene als jemals zuvor, während seine Ehe, die Beziehung zu seinen Kindern und sein eigenes Glaubensleben zunehmend auseinanderfielen. Er hatte seit Monaten keine Kirche besucht und wollte in seine frühere Branche zurückkehren, obwohl er dort finanziell schlechter dastand. Während dieses Gesprächs wurde mir bewusst, dass ich von Werten und Familie sprechen konnte, mein Unternehmen jedoch gleichzeitig einen Alltag geschaffen hatte, in dem ein guter Mitarbeiter genau diese Dinge verlor.

Seitdem arbeiten meine Unternehmen grundsätzlich nicht am Sonntag. Dieser Tag gehört dem Glauben, der Familie und der Gemeinschaft, und auch wenn sich Immobilien, Bauprojekte oder Kundenwünsche kaum an einen Kalender halten, bleibt diese Regel ein Teil unserer Kultur. Sie erinnert mich daran, dass ein Unternehmen den Menschen dienen sollte, die darin arbeiten, und dass Umsatz keine ausreichende Rechtfertigung dafür ist, jede persönliche Grenze aufzugeben. Wir verlangen viel Einsatz, Verantwortung und Professionalität, lassen aber bewusst einen Raum bestehen, in dem niemand seine Verfügbarkeit beweisen muss.

Den richtigen Berg erkennen

Ich bin in meinem Leben auf achtunddreissig Berge gestiegen und habe auf langen Reisen viele Teile der Welt mit wenig Planung und manchmal per Anhalter kennengelernt. Beim Bergsteigen merkt man schnell, dass Schwierigkeit allein wenig darüber aussagt, ob man umkehren sollte. Manche Wege sind steil, manche haben losen Untergrund, und an bestimmten Tagen braucht man für wenige Meter sehr viel Kraft. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen man immer wieder weit zurückfällt, obwohl man längst alles versucht hat, und dann muss man sich fragen, ob die eigene Ausdauer gerade am richtigen Ort eingesetzt wird.

Diese Frage begegnet mir auch im Beruf. Ich wollte einmal als Künstler weltweit bekannt werden und glaubte lange, dass genau darin mein Weg liegen würde. Die Kunst verschwand später nicht aus meinem Leben, sie fand ihren Platz in der Immobilienvermarktung, in meinen Unternehmen, in Positive Waves und in der Art, wie ich Geschichten erzähle und Menschen erreiche. Der Wechsel bedeutete für mich keine Abkehr von dem, was vorher wichtig gewesen war. Viele Fähigkeiten erhielten erst dadurch einen Zusammenhang, weil sie nun gemeinsam eingesetzt werden konnten.

Ähnlich sehe ich Geld. Ein Unternehmen braucht Gewinn, damit es Mitarbeiter bezahlen, Risiken tragen, investieren und langfristig bestehen kann. Geld gibt uns Ausrüstung für den Aufstieg, öffnet Wege und schafft Möglichkeiten, doch der Blick auf das Konto beantwortet nicht die Frage, ob der gewählte Berg am Ende der richtige war. Ich kenne sehr erfolgreiche Menschen, die finanziell fast jedes Ziel erreicht haben und trotzdem nach Nähe, Vertrauen und einem Sinn suchen, der sich nicht kaufen lässt. Diese Begegnungen haben meine Überzeugung gestärkt, dass Erfolg mehrere Bereiche des Lebens tragen muss, wenn er sich irgendwann auch vollständig anfühlen soll.

Geld ist für mich der Hammer, mit dem etwas aufgebaut werden kann. Das fertige Gebäude besteht aus den Menschen, Beziehungen und Möglichkeiten, die dadurch Bestand erhalten.

Was von einem erfolgreichen Leben bleiben soll

Heute arbeite ich weiter an internationalen Immobilienbeziehungen, baue mein Team neu auf und entwickle Positive Waves in Richtung einer grösseren, digital unterstützten Organisation. Gleichzeitig fotografiere ich weiterhin selbst, wenn ein Projekt mich interessiert, und merke jedes Mal, dass diese Arbeit nie vollständig aus meinem Leben verschwunden ist. Die verschiedenen Bereiche wirken von aussen vielleicht sehr breit, für mich hängen sie durch dieselben Menschen, Beziehungen und Werte zusammen. Ein Kunde wird zum langjährigen Kontakt, ein Geschäftspartner kennt eine Familie, die Hilfe braucht, eine kreative Idee verbessert die Vermarktung einer Immobilie, und aus einem Auftrag entsteht manchmal eine Verbindung, die Jahre später an einem ganz anderen Ort wieder Bedeutung bekommt.

Bei Vorträgen an Schulen und Universitäten spreche ich häufig mit jungen Menschen, die glauben, sie müssten sich sehr früh auf einen einzigen Weg festlegen und dürften ihn später kaum noch verändern. Ich versuche ihnen zu erklären, dass eine Entscheidung wichtig ist, weil sie Bewegung schafft, und dass sie trotzdem angepasst werden darf, sobald Erfahrung, Verantwortung und die eigene Entwicklung eine neue Richtung zeigen. Mein Studium, die Fotografie, das Magazin, die Immobilienarbeit und Positive Waves waren keine voneinander isolierten Kapitel. Jedes davon hat mir Fähigkeiten, Beziehungen und Erfahrungen gegeben, die ich im nächsten Abschnitt wieder gebraucht habe.

Die Frage, auf die ich bis heute keine vollständige Antwort gefunden habe, betrifft die Menschen, in die wir unsere Zeit investieren. Es ist oft schwer zu erkennen, wer diese Zeit wirklich wertschätzt und wer vor allem jemand ist, bei dem wir uns wünschen, dass er es eines Tages tun wird. Mit zunehmender Verantwortung wird diese Unterscheidung wichtiger, weil Zeit begrenzt ist und jede Zusage an einer Stelle bedeutet, dass an einer anderen weniger Aufmerksamkeit bleibt. Vielleicht zeigt sich Reife gerade darin, Grosszügigkeit mit einer sorgfältigen Entscheidung darüber zu verbinden, wo Geduld, Vertrauen und Energie tatsächlich etwas wachsen lassen können.

Wenn ich irgendwann auf mein Leben zurückblicke, möchte ich in den Unternehmen und Projekten mehr erkennen als ihre Grösse oder ihren finanziellen Wert. Ich möchte sehen, dass meine Mutter mit ihren Opfern eine Grundlage geschaffen hat, die weit über unsere Familie hinausgewirkt hat, dass die Jahre auf der Farm mir eine Form von Ausdauer gegeben haben, die später anderen Menschen zugutekam, und dass die Möglichkeiten, die aus meiner Arbeit entstanden sind, an vielen Stellen weitergetragen wurden. Darin liegt für mich der eigentliche Sinn von Positive Waves: Eine gute Handlung endet nicht bei dem Menschen, der sie empfängt, weil sie seine nächsten Entscheidungen, seine Familie und manchmal sogar eine ganze Gemeinschaft berühren kann.

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